04.08, 19 Uhr, Uni Jena, Carl-Zeiss-Straße 3
Remember what’s forbidden!
Die katholische Kirche & andere Abtreibungsgegner_innen
Unter dem Motto “Wo Gott ist, da ist Zukunft” will Joseph Ratzinger, der oberste Vertreter der katholischen Kirche, zu seinen Anhängern und zahlreichen Event-Tourist_innen sprechen. Was dieser reine Männerbund jedoch als Zukunftsperspektive verkauft, wirkt für viele Teile der Bevölkerung als drastische Beschneidung der eigenen Selbstbestimmung. Denn mit Ratzinger kommt nicht nur ein Prediger religiöser Homophobie, sondern auch ein radikaler Abtreibungsgegner nach Erfurt.
Die auf dem katholischen Naturrecht beruhende Stilisierung des Schwangerschaftsabbruchs zum Verbrechen stellt einen massiven Angriff auf die reproduktiven Rechte von Frauen dar – gerade deshalb weil die moralische Hetze von Ratzinger und Konsorten eben nicht nur christliche Menschen betrifft, sondern zur systematischen Stigmatisierung des Schwangerschaftsabbruchs beiträgt.
Wir wollen uns mit den Folgen dieser Stigmatisierung beschäftigen und einen Blick auf gesellschaftliche Zustände werfen in denen Abtreibungen bei weitem nicht so leicht durchzuführen sind, wie konservative und religiöse Stimmungsmacher es gerne darstellen. Im Gegenteil: Statistisch stirbt alle sieben Minuten eine Frau an den Folgen eines illegalen Abbruchs.
Dazu wird die Kulturwissenschaftlerin Sarah Diehl ihren Film “Abortion Democracy” zeigen. Die Dokumentation zieht einen direkten Vergleich zwischen Polen und Südafrika, in dessen Gesetzgebung der Schwangerschaftsabbruch legalisiert ist. Der Fokus liegt dabei auf der tatsächlichen Zugänglichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen, die nicht nur von Gesetzen abhängt, sondern ebenso von sozialen Zwängen und gesellschaftlichen Moralvorstellungen.


08.09. , 20.00 Uhr, Radio FREI (Gotthardtstr. 21, Erfurt)
Die Rolle der katholischen Kirche bei der Kolonialisierung Lateinamerikas
Für Atheist_innen ist es sonnenklar: Die katholische Kirche hat einen Hauptbeitrag zur Unterdrückung der Menschen in Südamerika in Zeiten des Kolonialismus geleistet. Hat sie. Aber da war noch mehr: So gab es stets widersprüchliche Bemühungen eines Teils der Kirche „Mission“ nicht nur als Unterdrückungspraxis zu betreiben. Erinnert sei an Bartolome de las Casas, der für die Abschaffung der Versklavung der indigenen Bevökerung kämpfte, aber dafür die „Einfuhr“ von afrikanischen Sklaven vorschlug. Oder die Siedlungen der Jesuiten bei den Guarani in Paraguay, denen ein fast gemeinschaftliches Leben mit den Indigenas nachgesagt wurde und die von der Oligarchie in Buenos Aires militärisch unterdrückt wurden (erinnert sei an den Film „Mission“).
Bis heute durchzieht die Politik der katholischen Kirche in Lateinamerika jener durchaus widersprüchlicher Prozess: Von der Unterstützung unterdrückender und ausbeutender Verhältnisse bis hin zur Theologie der Befreiung.
Diese Widersprüchlichkeit soll in der Veranstaltung diskutiert werden.


13.09., Erfurt
Kulturveranstaltung (geplant)


16.09., 19 Uhr, Radio FREI (Erfurt, Gotthardtstraße)
Wer leichter glaubt, wird schwerer klug
Vortrag und Diskussion zur Kritik am religiösen Denken und dessen kollektivierter Ausübung und zum Gegenkonzept des evolutionären Humanismus
Im Vorfeld des angekündigten Besuches in der Bundesrepublik von Joseph Ratzinger, Papst der Katholischen Kirche, strotzt die Berichterstattung nur so von religiöser Besoffenheit. Von einem „Jahrtausendereignis“ ist ebenso die Rede wie von der Erfüllung eines Traumes vieler Thüringer. Und nach Ansicht religiöser Führer sollen „möglichst viele Menschen [..] die Möglichkeit bekommen, den Papst zu sehen“. Zugleich findet die Mär von den „christlichen Werten in unserer Gesellschaft“ weiter Verbreitung.
Dabei haben demokratische Gesellschaften des 21. Jahrhunderts mit den der christlichen Religion zu Grunde liegenden Werten so wenig zu tun, wie Schlagsahne mit gesunder Ernährung. Die in den Menschenrechtskatalogen sich wiederfindenden Werte wurden gegen Religion erkämpft, sind Ergebnis der Aufklärung und des Humanismus und stehen in deutlichem Widerspruch zu den zehn Geboten, die immer wieder zur moralischen Institution durch Christen und leider auch durch Nichtchristen selbst beschönigend verklärt werden.
Eine Diskussion über die in Teilen bereits aufgehobene Trennung von Staat und Kirche, über die Gefahren religiösen Glaubens und über die wahrzunehmende Rückeroberung gesellschaftlicher Lebensräume durch die christliche Religion muss dringend geführt werden und darf nicht aus falsch verstandener Toleranz und einer vermeintlichen Verpflichtung zur Achtung „religiöser Gefühle“ gemieden werden. Der oftmals geäußerten Angst, was der Religion folge oder diese ersetze, muss ebenso nach deren Berechtigung hinterfragt werden, wie ihr zugleich begegnet werden muss.
Der Referent Philipp Möller ist Pressereferent der Giordano-Bruno-Stiftung

17.09., 14 Uhr, Veto (Erfurt, Trommsdorffstr. 5)
Gottes Spektakel
Tagesseminar zur Kritik der Religion und der Religionskritik

Weil die Kritik der Religion die religiösen Vorstellungen vom Himmel auf die Erde hole, sei sie die Voraussetzung aller Kritik meinte einst Karl Marx. Darauf aufbauend sei von der Kritik der Religion überzugehen zu einer Kritik der Gesellschaft, die der Religion bedürfe. In der sich die Menschen aus dem Jammertal, dass die wirkliche Welt sei, in die Religion flüchten, anstatt die Verhältnisse zu verändern.

Doch obwohl gänzlich „entlarvt“ und entzaubert, ist die Religion nicht verschwunden. Die Kritik der Religion hat es deswegen im Spätkapitalismus mit einem Paradox zu tun: Die Kirchen, einst Herrn über Könige und Kaiser, sind zum Hilfsinstitut für Seelenhygiene herabgestürzt. Ihre Dome wurden zu Touristenattraktionen, ihre Prediger zu Showmastern, ihr Papst zum Grußaugust und Superstar. Widerlegt, erledigt und entmachtet, hat sich aber die Religion mit ihrem Sturz nicht bloß arrangiert, sondern daraus neue Kraft geschöpft. Ins Schattenreich des Privaten verstoßen, regeneriert der Glauben sich in dessen Schutz: Alles Wesentlichen, seiner Substantialität und Allgemeinverbindlichkeit, beraubt, gewinnt er erst eine zukunftsträchtige Gestalt. Dank der Vorstellung dass es sich mit einem Glauben, egal woran, besser leben lasse, ist Glauben populär wie nie. Nicht mehr die Inhalte der Religionen werden geglaubt, sondern am Glauben selbst festgehalten. Aus ihm spricht nicht mehr die Hoffnung auf ein Jenseits des schlechten Diesseits, sondern die Ahnung einer allumfassenden Hoffnungslosigkeit.

Dieses Elend der Religion spiegelt sich auch im Elend der gängigen Religionskritik. Positivistisch erledigt sie alles was über das Bestehende hinausweist und erledigt damit zugleich die letzten kümmerlichen Reste der Hoffnung, dass es anders werden könnte. Die gängige Religionskritik wagt sich so nur an die offenkundigen Lügen der Religion, nicht aber an die Wahrheit, die sie verbirgt. Im Seminar soll diesen Überlegungen folgend durch die Kritik von Religion und Religionskritik der Blick auf eine profane Erlösung frei gelegt werden: die Emanzipation der Menschen aus versklavenden Verhältnissen.

Der Referent Lars Quadfasel ist in der Hamburger Studienbibliothek assoziiert.


23.09.2011, 18 Uhr, Erfurt, Bahnhofsvorplatz
Demonstration: Heidenspass statt Höllenangst


24.09.2011, 7.30-12.00 Uhr, Erfurt, Anger
Religionsfreie Zone auf dem Anger