Lautstarke Anti-Papst-Demo mit 800 TeilnehmerInnen in Erfurt

Pressemitteilung des Bündnis „Heidenspaß statt Höllenangst“ nach der Demonstration am 23.9.2011

Mehr als 800 Menschen haben heute Abend in Erfurt gegen den Papstbesuch demonstriert — mehr als dreimal so viele, wie die VeranstalterInnen erwartet hatten. Neben dem Bündnis aus AK Queer-Paradies, Falken Erfurt, der linken Hochschulgruppe LISE, dem Infoladen Sabotnik, der antikapitalistischen Gruppe Revolta und der queer-feministischen Gruppe Wi(e)derdienatur haben sich die Jusos und die Linksjugend Erfurt, der ver.di-Frauenrat, Mitglieder der Giordano-Bruno-Stiftung, organisierte AntifaschistInnen und viele Einzelpersonen unterschiedlichsten Alters und aus unterschiedlichen Milieus beteiligt. Die DemonstrantInnen führten religionskritische Transparente und Schilder mit sich und waren teilweise verkleidet. Über der Demonstration schwebten mehrere Fliegende Spaghettimonster und mit Helium befüllte Kondome. In Redebeiträgen und auf Flugblättern wurde gegen Religion im Allgemeinen, die Verflechtung von Katholizismus und Staat in Thüringen, und gegen die Positionen des Papstes in Bezug auf Homosexualität, die Rolle der Frau und seine Haltung zum Judentum protestiert. Der ver.di-Frauenrat wies in seiner Rede insbesondere auf die problematische Rolle der Kirchen als Arbeigeberin hin. Eine Million Menschen in Deuschland hätten in kirchlichen Institutionen kein Recht auf Arbeitskämpfe, Tarifverträge und einen Betriebsrat. Antifaschistische Gruppen aus Berlin kritisierten die antisemitischen Positionen des Papstes und forderten die Trennung von Kirche und Staat — als Vorstufe des letztendlichen Zieles der Abschaffung aller Religionen und Staaten. Auf mitgeführten Spruchbändern wurde gegen die mangelnden Reaktionen der Amtskirche auf die Missbrauchsfälle hingewiesen.
Die OrganisatorInnen zeigten sich zufrieden und wiesen auf die morgen stattfindende Religionsfreie Zone auf dem Anger hin.

Fotos folgen.

Trotz Papst Langeweile in Erfurt

Während in Berlin auf Hochtouren geklatscht und ingnoriert, demonstrativ rausgegangen und demonstriert wird, die legitime Amtsinhaberin Rosa ihre Position gegen den Emphorkömmling aus Rom verteidigt, ist in Erfurt von Begeisterung für den Papstbesuch noch nichts zu merken. Zwar ist die Stadt voll mit Polizei, die an jeder Ecke im olivgrünen Strampelanzug herumlungert und dazwischen in Zivil patroulliert, aber Gläubige sind kaum zu bemerken: Von den zweihundert Schaulustigen, die den Weg zwischen Flugplatz und Augustinerkloster säumen, sind weit mehr als die Hälfte beruflich dort. So winkt der Pontifex auch nur im Halbschlaf wenigen Gläubigen und vielen, vielen PolizeibeamtInnen zu.

LKA baut Bedrohungsszenario auf

Der MDR meldet heute (Hervorhebung von uns):

Das Thüringer Landeskriminalamt (LKA) ist für den ganzen Bereich „Anschlag“ zuständig. Konkrete Anhaltspunkte auf mögliche Anschlagspläne gibt es zwar nicht. Das LKA hat aber präventiv 47 Bedrohungsszenarien erarbeitet, dazu eine Gefährder-Analyse, in der es heißt: „Es ist von einem umfangreichen Störungs- und Gefährdungspotential auszugehen.“ Als größte potenzielle Gefahr gelten die Kundgebungen am Freitag am Erfurter Hauptbahnhof und am Sonnabend auf dem Anger unter dem Titel „Heidenspaß statt Höllenangst“. In der Analyse wird auch die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König genannt, da auf ihrer Internetseite Informationen dazu stehen. Namentlich aufgeführt werden auch sieben so genannte „Kirchenstörer“.

Hausbesuch wegen befürchteter Anti-Papst-Proteste

Wie Indymedia meldet, hat der Verfassungsschutz in der Nacht vom 16. auf den 17. September das Autonome Jugendzentrum AJZ in Erfurt aufgesucht und dort versucht, mehr über geplante Aktionen anlässlich des Papstbesuchs am kommenden Wochenende herauszubekommen. Natürlich haben die Spione eine Abfuhr erhalten.

Außerdem kam es am Vortag in mindestens einer Wohnung innerhalb des anlässlich des Papstbesuchs eingerichteten katholischen Sperrbereichs zu einem Hausbesuch des Staatsschutz. Den verdutzten BewohnerInnen wurde mitgeteilt, sie sollten ihren Protest gegen den Papst nur friedlich zum Ausdruck bringen und keinesfalls an einer Spontandemonstration gegen den Pontifex teilnehmen oder ihn mit Obst bewerfen.

Mehr noch als bei anderen Events wünscht man sich also von staatlicher Seite, dass Störungen beim Papstbesuch in Erfurt unterbleiben — dafür spricht auch, dass Polizeistreifen und Ordnungsamt in Erfurt antikirchliche Aufkleber abkratzen. Außer der Idee mit der Sponti und dem Obst (wie’s wohl mit Gemüse oder Farbeiern aussieht?) kann man am 23.09.2011 ab 18 Uhr in Erfurt an einer Demonstration gegen den Papstbesuch und am 24.09.2011 vom 7.30-12.00 Uhr an einer religionsfreien Zone auf dem Anger teilnehmen [..]

via http://sabotnik.blogsport.de/

Kleine Presseschau zu den Protesten gegen den Papst in Erfurt