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PM: Religionsfreie Zone auf dem Anger

Pressemitteilung des Bündnis „Heidenspaß statt Höllenangst“ nach der Religionsfreien Zone am 24.9.2011

„Wir sind Papst“ konnten heute viele Menschen bei der Religionsfreien Zone auf dem Erfurter Anger von sich behaupten: Durch einen Pappaufsteller war es allen möglich, sich als Papst zu inszenieren und dem Pontifex mittels einer Sprechblase Worte in den Mund zu legen. Viel Interesse fand diese und andere kreative Aktionen, Live-Musik, viele inhaltliche Redebeiträge, „heiligen Stuhl“ in Gläsern und Kondome. Das Bündnis „Heidenspaß statt Höllenangst“ wollte mit der Kundgebung von 7.30 bis 12.00 Uhr Kritik am Papst, an der katholischen Kirche und an Religion üben. Wie schon bei der Demonstration am Freitag haben sich außer dem aufrufenden Bündnis weitere Gruppen angschlossen. Die von der Messe kommenden Gläubigen reagierten gemischt auf den Protest. Während einige die angebotenen Kondome annahmen und einer sogar mit „Gott segne euch“ auf die DemonstrantInnen zuging, warfen viele die Materialien der PapstgegnerInnen angewiedert auf den Boden. Das fliegende Spaghettimonster zeigte sich zufrieden, bedauerte aber, daß weder Papst noch Kardinäle auf ein Gesprächsangebot eingegangen waren.

Kleine Presseschau zu den Protesten gegen den Papst in Erfurt

Ein nicht erschienenes Interview…

Anbei ein Interview, dass nicht in der Veranstaltungsillustrierten „Dates“ erscheinen wird. Obwohl wir alle Fragen artig beantwortet haben, nimmt die Zeitschrift Abstand von einer Veröffentlichung — weil wir keine Person für ein Foto zur Verfügung stellen konnten. Als Graswurzel-Bündnis haben wir natürlich keine Einzelpersonen, die sich als Repräsentantin des gesammten Bündnis ablichen lassen will — also keine Sprecherinnen, Vorsitzenden, Pressesprecherinnen o.Ä. Wir können höchstens Päpstin Klara anbieten:

Dates: Welche Nachteile sehen Sie im Besuch des Papstes? Bzw. was kritisieren Sie an erster Stelle am Besuch? (Finanziell, Ideologisch/Politisch). Oder bezieht sich Ihr Anliegen auf die Kirche/den Papst allgemein?

Klara: Im Speziellen richtet sich unser Protest gegen die Positionen von Herrn Ratzinger. Seine innerkirchliche Politik geht klar in die Richtung, wieder allgemeinverbindliche Normen auch für den weltlichen Bereich aufzustellen. Das trifft zuallererst Schwule und Lesben, Frauen und andere Religionen. Er nennt die Homoehe „die Legalisierung des Bösen“, besteht darauf, das Frauen unter Männern stehen und hat mit Bischoff Williamson einen Antisemiten zurück in die Arme der Kirche geholt. Damit betreibt er einen Annäherungskurs an die rechtsextreme Piusbruderschaft, was man auch damit belegen kann kann, daß er im März 2008 die gegen das Judentum gewandte Karfreitagsfürbitte wieder in den katholischen Ritus eingeführt hat. Der Papst steht damit für Homophobie, Sexismus und Antisemitismus.

Im Allgemeinen kritisieren wir, dass Religion dazu führt, dass Menschen die Lösung für drängende gesellschaftliche Probleme nicht im Hier und Jetzt suchen, sondern die Flucht in religiöse Vorstellungen als „Problemlösung“ nutzen. Große Religionsspektakel wie der Papstbesuch bieten ein Gemeinschaftserlebnis und sind gleichzeitig eine riesige Werbeveranstaltung für Religion im Allgemeinen. Und das in einem Bundesland, in dem gerade mal 8% Katholiken leben.

Dates: Wie werden Sie Ihre Kritikpunkte öffentlich vorbringen? Welche Veranstaltungen organisieren Sie?

Klara:Im Vorfeld des Papstbesuchs sind mehrere Veranstaltungen in verschiedenen Thüringer Städten geplant, um unsere Kritik inhaltlich darzustellen. Das Veranstaltungsprogramm ist unter http://papst.abschaffen.com zu finden. Parallel zum Papstbesuch wird am 23.9. ab 18 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Heidenspass statt Höllenangst“ vom Bahnhofsvorplatz durch die Erfurter Innenstadt laufen. Am Samstag, dem 24.9. wird während der Messe auf dem Domplatz eine religionsfreie Zone auf dem Anger eingerichtet.

Dates: Durch Demonstrationen entstehen erneute Kosten (vorrangig Personalkosten durch Sicherheitspersonal). Steht dies nicht im Konflikt zu Ihrem eigenen Vorwurf zu hoher Ausgaben für den Papstbesuch?

Klara:Wir haben über die Kosten noch gar nichts gesagt, aber Sie haben natürlich recht: Der Besuch ist sehr teuer. Allein in Thüringen fallen geschätzt 11 Millionen Euro an, ohne die vielen weiteren versteckten Kosten bei Land und Stadt mitzurechnen. Da sich der Papst 24 Stunden in Thüringen aufhält, kostet eine Stunde Papst-Aufenthalt in Thüringen also fast eine halbe Million Euro, natürlich auch von Steuergeldern. Insgesamt braucht der Papst in Deutschland mindestens 25 Millionen Euro, nur um sich öffentlich zu zeigen. Wenn die Kirche tatsächlich karitativ wäre, würde sie dieses Geld anders investieren. Die Frage nach den Kosten einer Kundgebung mit 250 Menschen auf dem Anger kann wohl angesichts dessen nur ein Scherz sein.

Die Partei „Die Linke“ und die Bewegung

Die Zeitungsgruppe Thüringen schreibt hier weiter eine Verbindung zwischen uns und der Partei „Die Linke“ herbei.

Auch sonst zeigt sie sich wie gewohnt gut informiert:

  • Aus der Adresse http://papst.abschaffen.com wird die nicht existierende URL http://papstabschaffen.blogspot.de.
  • Der AK Queer-Paradies wird unterschlagen — wahrscheinlich ist „Arbeitskreis für die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bi’s, Transgender, Interesexuellen und anderen“ zu komplex.
  • Bei der queer-feministischen Gruppe wi(e)derdienatur wird das Queer weggestrichen.
  • Aber immerhin: Aus der inhaltlichen Kritik, die gestern noch mit der Wendung „gegen die Frauen- und Familienpolitik“ zusammengefasst wurde, wird heute ein knalliger Satz zitiert, nämlich >>Was als historischer Moment für Erfurt gehandelt werde, entpuppt sich „als öffentliche Feier einer zutiefst reaktionären und menschenfeindlichen Ideologie.“< <

    Die Partei und der Vorsitzende reagieren hier und hier.

ZGT: „Demonstrationen gegen Papstbesuch“

Wie gewöhnlich gut unterrichtet zeigt sich die Lokalpresse in der heutigen Ausgabe:

Demonstrationen gegen Papstbesuch: „Heidenspaß statt Höllenangst“
Der Anblick des Papstes, hier auf einem Souvenirartikel aus Erfurt, erfreut nicht alle Thüringer. Manche planen sogar Demonstrationen gegen den Besuch des Kirchenoberhauptes.
Mindestens zwei Protest-Demonstrationen gegen den Besuch des Papstes in Thüringen sind bei der Stadtverwaltung Erfurt angemeldet worden. Peter Neuhäuser, Amtsleiter des Bürgeramtes, bestätigte, dass sowohl am 23. als auch am 24. September Demonstrationen angekündigt sind.
Das Erfurter Rathaus will die Demonstrationen nicht verbieten, erklärte Peter Neuhäuser. Zu den Kundgebungen werden jeweils 250 Personen erwartet. „Auflagen werden im nachfolgenden Verwaltungsverfahren erlassen“, sagte der Amtsleiter. Dabei werde Wert darauf gelegt, dass die Demonstrationen nicht mit dem Sicherheitskonzept des Papstbesuches kollidieren.

Wer die Demonstration angemeldet hat, könne das Rathaus aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen. Steffen Kachel , Vorsitzender der Linkspartei in Erfurt, versichert, dass der Stadtverband keine Demonstration angemeldet habe. Auch von der Landtagsfraktion sei ihm nichts bekannt.

Tatsächlich hat Steffen Dittes, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Links-Fraktion im Landtag, die Demonstrationen angemeldet, wie er TA bestätigte. Unter dem Motto „Heidenspaß statt Höllenangst“ wollen sich Gegner der katholischen Kirche am Freitag am Bahnhof und am Samstag auf dem Anger versammeln. Die Kritik richte sich unter anderem gegen die konservative Familien- und Frauenpolitik der Kirche.

Die Demonstrationen, hieß es aus der Staatskanzlei, spielten im Hinblick auf Sicherheitsvorkehrungen „keine wichtige Rolle in der Gesamtlage“. Wie viele Polizeibeamte zur Aufsicht notwendig sind, ist unbekannt. Offen ist auch der Charakter des Protestes; Aufmarsch oder Standkundgebung.

Zum Koordinierungsbüro für den Papstbesuch in Erfurt war die Information zu den Demonstrationen noch nicht vorgedrungen. „Als Kirche schätzen wir das Demonstrationsrecht“, sagte jedoch Andreas Wallbillich, Sprecher des Koordinierungsbüros, und fügte an: „Wir haben keine Angst vor Kritik.“ Aber er räumte ein: „Man muss sich aber überlegen, welches Bild Erfurt in der Welt abgibt, wenn man einen Gast einlädt und dann demonstriert.“

Denn der Besuch des Papstes sei nicht nur ein Ereignis für Thüringen. „Die Augen der Welt sind auf Erfurt gerichtet.“ Erwartet werden Hunderte Berichterstatter. Die Neue Oper soll geräumt werden, um Arbeitsplätze bereitstellen zu können.

Rechtsanwalt Heinz-Jochen Spilker, Vorstandsvorsitzender des Vereins Citymanagement Erfurt, befürchtet einen Imageschaden: „Ich halte es für eine Katastrophe, wenn an einem derart historischen Tag demonstriert wird.“

Dass die Bindung von Polizeikräften dazu geführt hat, dass das Papamobil nicht durch die Altstadt fahren kann, wies das Innenministerium indes zurück. Zwar seien die Anforderungen an den Streckenschutz erhöht, aber die Absage an eine Stadtfahrt sei mit dem Bistum getroffen worden. So werde das Papamobil zur Heiligen Messe nur diagonal über den Domplatz und in Etzelsbach fahren.

Dort belaufen sich die Kosten für das Umleitungsmanagement sowie die bautechnischen Maßnahmen von der Autobahn auf das Pilgerfeld auf rund 500.000 Euro für das Bistum Erfurt, errechnete das Thüringer Bauministerium. Für die Instandsetzung der Protokollstrecke zur Etzelsbachkapelle werden Haushaltsmittel über 543.000 Euro veranschlagt.

Was man hätte rausfinden können, wenn man uns gefragt hätte:

  • Die erste Demonstration ist am 23.9., Auftaktkundgebung 18.00 Uhr vor dem Bahnhof, die zweite Demonstration ist eine Standkundgebung während der Messe auf dem Domplatz am 24.9., 7.30-12.00 Uhr.
  • Die Souvernirs erfreuen uns sehr, zeigen sie doch, daß die ganze Veranstaltung weniger mit Religion als mit Spektakel zu tun hat.
  • Die Partei „Die Linke“ hat nichts mit den Protesten zu tun. Verantwortlich ist allein das Bündnis „Heidenspaß statt Höllenangst“. Steffen Dittes ist als Einzelperson eines von vielen Mitgliedern des Bündnis.
  • „gegen die Frauen- und Familienpolitik“ ist eine doch sehr knappe Zusammenfassung unseres Aufrufs
  • Wir haben den Papst gar nicht eingeladen. Und ein katastrophaler Imageschaden? Klingt verlockend.

Für weitere Fragen haben wir ein Kontaktformular eingerichtet.