Ein nicht erschienenes Interview…

Anbei ein Interview, dass nicht in der Veranstaltungsillustrierten „Dates“ erscheinen wird. Obwohl wir alle Fragen artig beantwortet haben, nimmt die Zeitschrift Abstand von einer Veröffentlichung — weil wir keine Person für ein Foto zur Verfügung stellen konnten. Als Graswurzel-Bündnis haben wir natürlich keine Einzelpersonen, die sich als Repräsentantin des gesammten Bündnis ablichen lassen will — also keine Sprecherinnen, Vorsitzenden, Pressesprecherinnen o.Ä. Wir können höchstens Päpstin Klara anbieten:

Dates: Welche Nachteile sehen Sie im Besuch des Papstes? Bzw. was kritisieren Sie an erster Stelle am Besuch? (Finanziell, Ideologisch/Politisch). Oder bezieht sich Ihr Anliegen auf die Kirche/den Papst allgemein?

Klara: Im Speziellen richtet sich unser Protest gegen die Positionen von Herrn Ratzinger. Seine innerkirchliche Politik geht klar in die Richtung, wieder allgemeinverbindliche Normen auch für den weltlichen Bereich aufzustellen. Das trifft zuallererst Schwule und Lesben, Frauen und andere Religionen. Er nennt die Homoehe „die Legalisierung des Bösen“, besteht darauf, das Frauen unter Männern stehen und hat mit Bischoff Williamson einen Antisemiten zurück in die Arme der Kirche geholt. Damit betreibt er einen Annäherungskurs an die rechtsextreme Piusbruderschaft, was man auch damit belegen kann kann, daß er im März 2008 die gegen das Judentum gewandte Karfreitagsfürbitte wieder in den katholischen Ritus eingeführt hat. Der Papst steht damit für Homophobie, Sexismus und Antisemitismus.

Im Allgemeinen kritisieren wir, dass Religion dazu führt, dass Menschen die Lösung für drängende gesellschaftliche Probleme nicht im Hier und Jetzt suchen, sondern die Flucht in religiöse Vorstellungen als „Problemlösung“ nutzen. Große Religionsspektakel wie der Papstbesuch bieten ein Gemeinschaftserlebnis und sind gleichzeitig eine riesige Werbeveranstaltung für Religion im Allgemeinen. Und das in einem Bundesland, in dem gerade mal 8% Katholiken leben.

Dates: Wie werden Sie Ihre Kritikpunkte öffentlich vorbringen? Welche Veranstaltungen organisieren Sie?

Klara:Im Vorfeld des Papstbesuchs sind mehrere Veranstaltungen in verschiedenen Thüringer Städten geplant, um unsere Kritik inhaltlich darzustellen. Das Veranstaltungsprogramm ist unter http://papst.abschaffen.com zu finden. Parallel zum Papstbesuch wird am 23.9. ab 18 Uhr eine Demonstration unter dem Motto „Heidenspass statt Höllenangst“ vom Bahnhofsvorplatz durch die Erfurter Innenstadt laufen. Am Samstag, dem 24.9. wird während der Messe auf dem Domplatz eine religionsfreie Zone auf dem Anger eingerichtet.

Dates: Durch Demonstrationen entstehen erneute Kosten (vorrangig Personalkosten durch Sicherheitspersonal). Steht dies nicht im Konflikt zu Ihrem eigenen Vorwurf zu hoher Ausgaben für den Papstbesuch?

Klara:Wir haben über die Kosten noch gar nichts gesagt, aber Sie haben natürlich recht: Der Besuch ist sehr teuer. Allein in Thüringen fallen geschätzt 11 Millionen Euro an, ohne die vielen weiteren versteckten Kosten bei Land und Stadt mitzurechnen. Da sich der Papst 24 Stunden in Thüringen aufhält, kostet eine Stunde Papst-Aufenthalt in Thüringen also fast eine halbe Million Euro, natürlich auch von Steuergeldern. Insgesamt braucht der Papst in Deutschland mindestens 25 Millionen Euro, nur um sich öffentlich zu zeigen. Wenn die Kirche tatsächlich karitativ wäre, würde sie dieses Geld anders investieren. Die Frage nach den Kosten einer Kundgebung mit 250 Menschen auf dem Anger kann wohl angesichts dessen nur ein Scherz sein.


2 Antworten auf „Ein nicht erschienenes Interview…“


  1. 1 egal 17. September 2011 um 2:47 Uhr

    hier findet ihr die neue straßen aus zucker mit schwerpunktthema zu religion(skritik):
    http://strassenauszucker.blogsport.de/2011/09/03/strassen-aus-zucker-6-online/

  1. 1 neuelinke » Nicht alle werden päpstlich gekleidet sein Pingback am 16. September 2011 um 2:05 Uhr
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